Vorwort
Die Idee zu diesem Buch wurde auf einer Fahrt quer durch Deutschland
im September 1999 geboren. Nach einem außergewöhnlich
langen Bilderbuchsommer zeigte sich die Natur auch in diesem Monat
noch von ihrer schönsten Seite. Eine goldene Sonne strahlte
von einem hellblauen, wolkenlosen Himmel auf traumhaft bunt gefärbte
Wälder, auf weite Täler mit einladenden Dörfern und
Städten, auf Berge und Hügellandschaften mit imposanten
Burgen und Ruinen als Zeugen der bewegten Vergangenheit und auf
Flüsse und Seen, in denen sich das Licht spiegelte und sie
wie von Diamanten bedeckt leuchten ließ.
Ja, wir leben in einem wunderschönen Land, das man eigentlich
nur lieben kann, aber viel zu oft vergessen wir das ganz einfach.
Eigentlich wollen wir es auch gar nicht mehr sehen und schütteln
verständnislos den Kopf, wenn amerikanische oder japanische
Touristen von einer Reise hierher träumen und dabei ins Schwärmen
geraten - und das hat leider viele gute Gründe.
Sobald man die Einzelheiten näher betrachtet, etwa den Zustand
der Gebäude abseits der Hauptstraßen und Vorzeige-Fassaden
in unseren Großstädten im ehemaligen Osten genauso wie
im ehemaligen Westen, findet man nur noch Verfall, Gleichgültigkeit,
Hoffnungslosigkeit und Melancholie wie auch fast überall in
den kleineren Orten. So scheinen die Farben und der Glanz dieses
Landes zu vergehen wie die Farben und der Glanz des Sommers, aber
dennoch gibt es einen gravierenden Unterschied: Die Veränderungen
in der Natur können wir nicht beeinflussen, und wir wissen,
daß genauso sicher und von selbst auch der nächste Frühling
kommen und die Farben und den Glanz wiederbringen wird. Den Einbruch
des Herbstes in unseren Städten und Dörfern haben wir
selbst durch unsere innere Einstellung und unser Handeln oder besser
gesagt Nicht-Handeln verursacht, weil die Mehrheit der Bevölkerung
vom Leben in dieser Gesellschaft und von ihrer Politik dermaßen
enttäuscht ist, daß sie einfach aufgegeben und das Interesse
an Veränderungen aus eigener Kraft verloren hat. Deshalb wird
dieser Herbst, der in den Köpfen der Deutschen begonnen hat,
auch nicht wieder von allein in einen neuen Frühling übergehen.
Viel zu lange haben wir von der Vergangenheit gelebt und uns
auf den Lorbeeren früherer Generationen ausgeruht, die Deutschland
den Ruf eines starken, modernen, leistungsfähigen und reichen
Industrie- und Sozialstaates eingebracht haben. Wenn wir die Realität
in diesem Land heute aber einmal ganz unvoreingenommen und nüchtern
betrachten, ist dieser Ruf längst nur noch Illusion und Selbstbetrug.
Es ist allerhöchste Zeit, dies zu erkennen und endlich umzudenken,
aber wirkliche Veränderungen können wir nicht länger
immer nur von den anderen oder von höherer Stelle erwarten
und erhoffen. Jeder einzelne kann und muß mit sich und seinem
eigenen Leben anfangen, ehrlich zu sich selbst sein und sich der
Wirklichkeit stellen. Auch wenn das Ergebnis nur scheinbar minimale,
unbedeutende Veränderungen mit sich bringt, werden all
die kleinen Veränderungen schließlich dazu führen,
daß es auch für dieses Land wieder einen Frühling
geben wird. Einen anderen Weg gibt es einfach nicht, und oft haben
gerade ganz kleine, ganz einfache und ganz banale Ursachen eine
überraschend gewaltige Wirkung.
Ich hoffe, daß es dafür noch nicht zu spät ist
und habe mir zu diesem Thema meine ganz persönlichen Gedanken
gemacht. Diese Gedanken stelle ich Ihnen in Kapiteln, die sich jeweils
mit bestimmten Teilen der Gesellschaft befassen, vor. Dabei will
ich weder anklagen, noch verurteilen oder den Finger des Schulmeisters
heben. Mir liegt es daran, in verständlichen und hoffentlich
meist sogar recht unterhaltsamen Sätzen, fern von der manchmal
viel zu umständlichen Ausdrucksweise von Wissenschaftlern oder
Philosophen, Denkanstöße zu vermitteln und neben den
Mißständen vor allem auch Lösungsmöglichkeiten
aufzuzeigen. Sicher ist für jeden Leser ein Kapitel ganz besonders
vertraut und zutreffend, und wenn von hundert Lesern auch nur einer
ganz allein für sich anfängt, darüber nachzudenken
und vielleicht sogar etwas anders zu machen als bisher, habe ich
dieses Buch nicht umsonst geschrieben, und die Hoffnung auf einen
neuen Frühling in Deutschland wird wieder ein kleines bißchen
größer.
Inhaltsverzeichnis
Nur keine eigene Verantwortung! - Es ist doch viel angenehmer,
die anderen zu kritisieren...
Etwa 90 % der Deutschen richten ihr Leben nach dem Fernsehprogramm.
- Die traurigen Seiten einer Scheinwelt
Ein Lächeln wirkt manchmal Wunder. - Man kann auch selbst
die Sonne scheinen lassen.
Von den Schulen, der "Rechtschreibreform" und vom "Herumstudieren"
- Erfüllt unser Bildungssystem eigentlich noch seine Aufgabe?
Tennis, Golf und Seifenblasen - Die Krise im deutschen Management
Rufen Sie doch bitte später noch einmal an! - "Dienstleistung"
in Deutschland
Dann laß` ich mich eben krank schreiben - Krankheit
als Kostenfaktor und als Waffe
Bitte nichts Neues! - Das Dilemma unserer Wissenschaftler
Die Vermarktung einer Lüge - Die Gefahr, die von den
Kirchen ausgeht
Zu spirituell für diese Welt - Flucht in die Esoterik
Moderne Kunst in Deutschland - Das Geschäft mit der
Dummheit
Rechtsstaat Deutschland - Polizei und Justiz im Zwiespalt
Armee ohne Marschrichtung - Die Bundeswehr im Gewissenskonflikt
Das Gespenst der Vergangenheit - Eine alte Schuld und ihre
Folgen
Nachwort
Wenn Sie bis hierher gelesen haben, kennen Sie also inzwischen
meine persönlichen Gedanken zur derzeitigen Situation in unserem
Land, die ich Ihnen am Anfang versprochen hatte. Dann freut es mich,
daß Sie sich dafür interessiert haben, und ich möchte
mich gern an dieser Stelle bei Ihnen dafür bedanken.
Was halten Sie denn nun davon? Haben Sie sich manchmal betroffen
gefühlt, haben Sie manchmal empört den Kopf geschüttelt,
manchmal gelächelt und ab und zu auch einmal genickt?
Ich kann mir sehr gut vorstellen, daß zahlreiche Leser
und Kritiker dieses kleine Buch maßlos verurteilen werden,
weil sie sich entweder ungerecht geschildert und behandelt vorkommen
oder weil sie meine Versuche, Auswege und Lösungen anzubieten,
für viel zu primitiv, wirklichkeitsfremd und naiv halten. -
Akzeptiert. Damit kann ich leben.
Als ich mich dazu entschlossen habe, die plötzliche Idee
zu diesem Buch in die Tat umzusetzen, kamen mir selbst sicher nicht
ganz unberechtigte Zweifel. Eigentlich bin ich ja überhaupt
nicht die Richtige dafür, mir so ein ernstes und umfassendes
Thema vorzunehmen, denn ich habe weder bereits ein so hohes Alter
erreicht, daß allein schon die Erfahrungen im Laufe eines
langen Lebens mir die Berechtigung geben würden, Ratschläge
zu erteilen, noch habe ich eine Ausbildung, die mich dafür
qualifizieren könnte.
Trotzdem habe ich mich nach einem sehr kurzen Zögern dann
doch entschlossen, nicht mehr länger darüber nachzudenken,
sondern es ganz einfach zu tun. Genau das ist es ja, was ich Ihnen
vermitteln wollte. Ich hatte Sie ja am Anfang schon dazu aufgefordert,
bei sich selber anzufangen, wenn Sie weitreichende Veränderungen
herbeiwünschen. Also gilt das genauso für mich, und ich
durfte mich gar nicht länger vor dieser Aufgabe drücken,
die ich mir nun einmal gestellt hatte.
Von der Idee und der bald darauf folgenden Erstellung eines Exposés
bis hin zum Beginn der Arbeit am endgültigen Manuskript sind
ungefähr zwei Monate vergangen, aber für das eigentliche
Schreiben habe ich dann nicht einmal mehr eine Woche gebraucht,
und es hat mir zunehmend Spaß gemacht. Vielleicht ist es ja
immer so? Wenn wir uns endlich ernsthaft zu einer Entscheidung durchgerungen
haben, wird die Umsetzung plötzlich ganz einfach. Der erste
Schritt ist ja immer und überall bekanntlich der schwerste.
Jedenfalls bin ich froh darüber, daß ich mich für
dieses Projekt entschieden habe, auch wenn ich keine blasse Ahnung
habe, was jetzt damit passieren wird? Ob sich ein Verlag finden
wird, der dieses Büchlein veröffentlicht? Und wird es
dann auch noch tatsächlich gelesen werden? Ich wünsche
es mir sehr, denn ich möchte meine Gedanken wirklich sehr gern
mit Ihnen teilen und Diskussionen auslösen. Daß ich keine
Patentlösungen anbieten kann und zweifellos noch vieles vergessen
habe, ist ja klar, aber wir alle gemeinsam könnten doch ganz
sicher die ersten Ideen und Ansätze Schritt für Schritt
weiterentwickeln und umsetzen. Wäre das nicht eine tolle Sache?
Ich glaube ganz fest daran, daß es machbar ist und, daß
sich dafür Experten und Laien gleichermaßen engagieren
müssen. Wetten, daß die Sache dann sogar auch noch Spaß
machen wird? Ich werde mich auf jeden Fall auch weiter daran beteiligen
und dabei noch eine Menge dazulernen.
Auf Ihre ganz persönliche Meinung bin ich schon jetzt wahnsinnig
gespannt und neugierig. Jeder ist angesprochen, jeder ist gefragt,
und jeder kann einen nützlichen und wichtigen Beitrag leisten.
- Worauf warten wir dann eigentlich noch? Lassen Sie uns gemeinsam
weiter nachdenken, praktikable Lösungen finden und dieses Land
in einen neuen Frühling führen! Es ist gewiß noch
nicht zu spät, und es wird sich lohnen.
Ich wünsche Ihnen, uns und unserem Land von Herzen Glück
und Erfolg auf diesem Weg! |