Welt der Marionetten

 

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Welt der Marionetten
von Christiane Müller

veröffentlicht in der Anthologie:
"Die schlafenden Mumien" von Gisela Ermel (Hrsg.), 1. Auflage 2000

 

Teil 3

Doch das Leben ging weiter, neue Orte und Aufgaben warteten auf die Absolventen der Abschlußklassen, und als der General drei Wochen darauf Lisa und Susan in Washington vom Flughafen abholte, waren sie bereits wieder die fröhlich plappernden Mädchen voller Pläne, die ihm so sehr imponierten.
Vor ihnen lagen ein paar unbeschwerte Tage, die sie mit dem Einrichten ihrer Zimmer in der schönen alten Villa, langen Stadterkundungstouren am Tag und aufregenden, lustigen Abenden in der Disco, im Kino oder bei Konzerten am Abend verbrachten.
Diese Zeit verging viel zu schnell, und mit dem Herbst kam auch der Morgen, an dem beide gleichzeitig ihre neuen Stellungen antraten. Dieser Beginn verlief allerdings recht unterschiedlich, und dementsprechend trugen sie der Freundin ihren Bericht vom ersten Tag auch jeweils sehr verschieden vor.
Susan wußte sich vor Begeisterung kaum zu beruhigen. "Ich hatte ja keine Ahnung, wie aufregend das alles ist. Das Gebäude, die hochmodernen Büros, die Menschen und die ganze Atmosphäre - einfach Wahnsinn! Dabei hatte ich befürchtet, alles ginge da ganz steif und trocken vor sich, und ein bißchen mulmig war mir natürlich auch zumute unter all den großen Tieren und Persönlichkeiten, aber James hat mich unendlich lieb vorgestellt, und nach seiner maßlosen Übertreibung, was meine Fähigkeiten angeht, waren alle unsagbar nett zu mir.
Es gibt da sogar viel mehr Frauen, als ich dachte, und unter den Herren sind einige, von denen ich dir ganz bestimmt noch mehr erzählen werde. Vielleicht ist das wirklich genau der Job, der zu mir paßt, und ihr seid ja sowieso das ganz große Los für mich."

Dagegen fiel es Lisa sichtlich schwer, sich über Susan's Begeisterung zu freuen.
"So würde ich auch gern reden, aber ich habe heute schon meinen ersten Dämpfer weg. Mag sein, daß ich zu viel gleich zu Beginn erwarte, und ich seh' ja auch ein, daß es nicht sofort mit der ganz großen Story losgehen kann, doch zumindest schreiben möchte ich, ermitteln, etwas auskundschaften oder jemanden interviewen, aber die haben mich nach der Begrüßung gerade mal Kaffee kochen und dann stundenlang am Computer die langweiligen Wettermeldungen auswerten lassen.
Dabei ging das alles ja noch. Die absolute Krönung war nämlich dieser eingebildete Blödmann, Daniel Roberts, der große Star-Reporter beim "Evening Star". Weißt du, das ist so ein Typ, der sich mit fast vierzig noch einbildet, der Traum aller Mädchen zu sein und dem die dummen Gänse in der Redaktion auch noch tatsächlich zu Füßen liegen. Mann, ist der ekelhaft!
Als ich über den Wetterberichten saß, klopft der mir doch auf die Schulter und sagt: "Na, Generalstöchterchen, nur immer Kopf hoch! So hab' ich auch mal angefangen. Eine größere Unverschämtheit ist mir ja noch nie untergekommen."
Dabei hatte Lisa sich regelrecht in Wut geredet, aber nun nahm ihr Gesicht wieder ihren typischen entschlossenen und fast schon trotzigen Ausdruck an. "Und doch schaffe ich es! Und wenn ich monatelang nur ans Wetter darf! Denen allen, der Welt und vor allem diesem arroganten Daniel Roberts zeige ich schon noch, was in mir steckt!"

Am Eindruck vom ersten Tag änderte sich für die beiden Freundinnen auch in den nächsten Monaten kaum etwas.
Während Susan jeden Morgen gutgelaunt aus dem Haus ging, am Abend, oft nach langen Überstunden, genauso nach Hause kam, sich ausgefüllt und bestätigt fühlte und vom General bei den seltenen Dinners zu dritt stets in den höchsten Tönen gelobt wurde, blieb Lisa beim "Evening Star" noch lange ganz unten und ohne jede Chance, das in naher Zukunft irgendwie zu ändern.
Obwohl sie die monatelange Beschäftigung mit dem Wetter selbst nicht so ernst gemeint hatte, bestanden ihre Aufgaben noch einige Wochen lang ausschließlich darin, und danach erschien es ihr schon als Erlösung, als sie zusätzlich unwichtige Polizeiberichte auswerten und umschreiben durfte, und Daniel Roberts' spöttische Blicke brachten sie manchmal sehr nahe an die Kündigung, vor der sie dann jedesmal wieder absah, um sich nicht zu blamieren.
Auch an den langen durchtanzten Nächten fand sie seit einiger Zeit nicht mehr die Freude wie früher in San Diego, und obwohl es ihr leid tat zu sehen, wie Susan mehr und mehr einen eigenen Freundeskreis um sich scharte und immer öfter ohne sie ausging, fühlte sie sich doch allein mit einem Buch oder vor dem Fernseher abends am wohlsten.

An einem kalten Februartag rief Mr. Carlson, der Chefredakteur des "Evening Star" Lisa zu sich, und auf dem Weg zu dem freundlichen alten Herrn, der überall bedingungslosen Respekt genoß, schöpfte sie neue Hoffnung, die auch zunächst nicht enttäuscht wurde.
"Mein liebes Kind", begann er, "ich wußte von Anfang an, daß Sie es ernst meinen und bei der Stange bleiben. Trotzdem fängt bei uns nun mal jeder Journalist ganz unten an, was übrigens auch noch keinem geschadet hat.
Jetzt kennen Sie sich also mit dem Wetter, kleineren Einbrüchen und Verkehrsunfällen ganz gut aus, denke ich."
Er schmunzelte dabei, aber bei ihm empfand Lisa keinen Spott, und zum ersten mal fühlte sie sich auf unerklärliche Weise stolz auf diese fast sechs Monate, die sie eisern durchgehalten hatte.
"Nun finde ich", fuhr er fort, "ist es an der Zeit, daß Sie sich neuen Aufgaben zuwenden, also dem, was Sie sich wohl eigentlich unter Ihrer Arbeit hier vorgestellt haben. Sie sollten also jetzt endlich nach Herzenslust ermitteln dürfen.
Daß Sie schreiben können, weiß ich inzwischen. In der Hinsicht verspricht Ihr Stil einiges, aber für die Recherchen draußen hat ein Neuling trotz allem zuerst immer am besten einen Profi zur Seite. Ihnen will ich einen besonders guten Lehrmeister empfehlen, weil ich von Ihnen noch eine Menge mehr erwarte.
Ich habe schon mit Daniel darüber gesprochen, und er ist einverstanden und nimmt Sie ab heute mit. Viel Erfolg also!"
Mit diesen Worten reichte ihr Mr. Carlson die Hand, und Lisa versuchte krampfhaft zu unterdrücken, daß ihr schwarz vor Augen wurde, daß sie sofort kündigte oder daß sie zumindest darum bat, einem anderen zugeteilt zu werden. Nein, diese Blöße gab sich keine Lisa Hunter!

Mit dem Gefühl eines besiegten Torreros vor einer vollbesetzten Zuschauertribüne ging sie also danach auf Daniel Roberts' Schreibtisch zu.
"Ich komme gerade von Mr. Carlson. Er meinte, Sie wüßten Bescheid", sagte sie völlig gegen ihren Willen.
Gespielt überrascht blickte der Star-Reporter zu ihr auf, und in seinen dunkelbraunen Augen erschien wieder das Lächeln, das sie oft bis zur Weißglut trieb. "Ja, ja, Miss Hunter, so ist es, und ich habe mich übrigens auch noch freiwillig dazu gemeldet."
Er stand auf, gab ihr mit ironischer Feierlichkeit die Hand und fuhr fort: "Fangen wir also am besten damit an, daß wir uns in Zukunft beim Vornamen nennen und das Kriegsbeil begraben! Ich weiß ja, daß ich dich manchmal ein wenig geärgert habe, aber mir erging es in deinem Alter ähnlich, und das hat mich angespornt und am Ende ganz hübsch weit gebracht.
Bei dir gibt es ein verborgenes Talent, das wir zusammen ans Tageslicht befördern werden, und eine gehörige Portion Verbissenheit, ohne die es kein Reporter zu etwas bringen kann. Also, los!"
Plötzlich fühlte sich Lisa wie ein dummes, trotziges Schulkind vor dem Lehrer, und sie atmete erleichtert auf, als ihr Daniel gleich im Anschluß daran zeigte, wie er sich den Schreibtisch gegenüber seinem für sie vorstellte, was sie glücklicherweise einer Antwort enthob. Kurz darauf ging es dann auch schon los, und die neidischen Blicke der meisten Sekretärinnen taten ihr nun fast schon gut.

Die ersten gemeinsamen Recherchen führten das neu entstandene Zweier-Team in die Drogenszene der City, zu einem Trainingszentrum für junge Sportler, das in Wahrheit gefährlichen politischen Zielen diente, und zu einem Rüstungskonzern, dem illegale Waffengeschäfte mit der
Drogenmafia Kolumbiens nachgesagt wurden.
Tagelang und oft auch noch spät abends oder gar nachts waren die beiden unterwegs, was Lisa absolut keine Zeit mehr für andere Interessen ließ, und obwohl es sie meist noch verärgerte, daß Daniel fast immer die Gespräche allein führte und sie dabei nur zuschauen, mithören und mitschreiben durfte, spürte sie doch deutlich, daß sie sich ihrem Ziel Schritt für Schritt näherte.
Endlich kam die Wirklichkeit ihres Jobs in greifbare Nähe ihrer Träume, und sie begann, auf ihre Chance zu lauern und sich voll und ganz auf die Suche danach zu konzentrieren.

Eines Tages ergab sich dann ganz plötzlich eine Gelegenheit, und Lisa war fest entschlossen, sich damit endlich ihre Träume zu erfüllen.
Die langwierigen Ermittlungen bei dem Rüstungskonzern "AWS" dauerten weiter an, obwohl es bisher keinerlei Beweise gab. Wie oft auch Lisa und Daniel schon die Sekretärinnen und kleineren Angestellten der Firma ausgefragt hatten, nichts führte zu einem greifbaren Ergebnis, und die modernen Schnellfeuergewehre, die die Drogenbosse Bogotás angeblich von der "AWS" erhalten haben sollten, blieben eine unbewiesene Behauptung, da sie weder in den Produktionslisten noch in den Exportpapieren aufgeführt waren. Kontakte zwischen "AWS" und Kolumbien existierten scheinbar überhaupt nicht.
Nun versuchte Daniel gerade, zum mindestens zehnten Mal innerhalb eines Jahres, in dem kleinen Park vor dem Bürohochhaus der Firma neue Informationen aus der Sekretärin des Exportleiters herauszuholen, was zwar nie zu etwas führte, der dicklichen Enddreißigerin aber offensichtlich sehr angenehm war. Sie wußte gar nichts, wohl nicht einmal genau, wo Kolumbien überhaupt lag, deutete aber stets irgendetwas an, um die Aufmerksamkeit des eleganten Herrn von der Zeitung nicht zu verlieren und ihn recht bald wiederzusehen, aber Daniel gab nie auf, obwohl er sie durchschaute, weil er trotz allem noch weiter auf einen Zufallstreffer hoffte.
So bot er auch diesmal wieder all seinen Charme auf, und Lisa hielt sich abseits, schaute auf den kleinen Springbrunnen und wäre am liebsten davongelaufen.
Da plötzlich bemerkte sie Vincent Grant, einen Schulkameraden ihres Vaters, den sie seit den seltenen Treffen im Hause des Generals haßte. Seine aufdringliche Art und seine Arroganz waren ihr stets so abstoßend erschienen, daß sie jetzt instinktiv hinter die nahen Büsche zurückwich, um nicht etwa eine Begrüßung und lästige Fragen ertragen zu müssen. Aber dann sah sie ihn zielstrebig auf den Eingang von "AWS" zueilen, und eine völlig neue Idee durchzuckte sie wie ein Blitz.
Womit hatte er sich noch immer so wichtig gemacht? Genau, mit Oldtimern, die er als schrottreife Blechhaufen billig aufkaufte, aufmöbeln ließ und dann für Unsummen an reiche Sammler wieder verkaufte, und seine Hauptabnehmer sollten nach seinen eigenen Worten die eingebildeten südamerikanischen Generäle und Neureichen sein.
Worin bestand also seine Verbindung zur "AWS"? Wenn nun...?
Fieberhaft schossen Lisa die Gedanken durch den Kopf, aber sie gab nicht dem ersten Drang nach, es Daniel gleich zu erzählen, denn die eine ganz große Chance verschenkt nun mal kein Profi-Reporter.
Es gelang ihr trotzdem kaum, der Unterhaltung mit Daniel auf der Fahrt zurück zur Redaktion zu folgen, und zum ersten Mal bat sie ihn, früher als sonst gehen zu dürfen.
Daniel verkannte ihre Absicht völlig und wünschte ihr lächelnd: "Recht viel Spaß", wonach sie sich zusammenreißen mußte, um nicht noch vor seinen Augen einfach loszurennen.
Draußen stürzte sie aber sofort in die nächste Telefonzelle und suchte mit fliegenden Fingern die Nummer der Grants, weil sie dringend mit Patricia, Vincent Grant's ebenso eingebildeter wie unsympathischer Tochter, reden mußte.
Sie betete beim Wählen, Pat möge noch immer für ihren Vater arbeiten, und als sie sie endlich erreichte und erfuhr, daß es tatsächlich so war, atmete sie erleichtert auf und bemühte sich verzweifelt, ihrer Stimme trotz der enormen Erregung einen ganz ruhigen Klang zu geben.
"Hör' zu, Pat, du erinnerst dich doch sicher noch an mich?"
"Wie? - Ja, natürlich müssen wir mal zusammen Tennis spielen. Das verabreden wir später, aber jetzt rufe ich dich als Reporterin an. Wir wollen einen Bericht über erfolgreiche Geschäftsleute bringen, die mit großartigen Ideen ihre Firmen praktisch aus dem Nichts aufgebaut haben. Da dachte ich sofort an deinen Vater und seine Oldtimer."
Nach der anfänglichen Begeisterung über Lisa's unerwarteten Anruf, weil sie sie eben immer noch zu gern in den Kreis ihrer sie bewundernden Freundinnen eingereiht hätte, zögerte Pat nun doch. "Aber das kann ich nicht so einfach tun. Ich meine, Fragen über die Firma darf ich nicht so ohne Rücksprache mit meinem Vater beantworten. Das verstehst du doch sicher, und es hat doch wohl Zeit, bis er von seiner Besprechung zurückkommt. Ja?"
In Lisa stieg Panik auf. Eine Besprechung? Etwa bei "AWS"? Das war es!
Sie murmelte innerlich Stoßgebete beim Weitersprechen. "Klar verstehe ich das, aber ich frage dich doch nicht nach irgendwelchen Geheimnissen, nur, wohin Ihr in den letzten zwei Jahren Eure Oldtimer geliefert habt. Das ist doch ganz offiziell, und du kennst dich als Vincent Grant's rechte Hand ja bestens aus. Weißt du, ich brauche das noch heute für die morgige Ausgabe und bin schon reichlich spät dran. das wäre doch die beste Werbung für Euch und wird deinen Vater ganz sicher nur freuen."
Die Zeit, die Patricia danach zum Überlegen brauchte, erschien Lisa wie eine ganze Ewigkeit, aber bei der folgenden Antwort verschluckte sie nur mit äußerster Anstrengung den Jubelschrei in ihrer Kehle.
"O.k., daran ist ja echt nichts Geheimes. Also, warte mal, da hatten wir 1987 Argentinien, Chile, England, Kolumbien, Frankreich und mehrere Inlandlieferungen und 1988 Griechenland, Kolumbien, Peru, Spanien und Deutschland. Und jetzt noch einen Moment! Ich gebe dir gleich die Typen und die Baujahre durch."
Mit zitternder Hand schrieb Lisa mit, und anschließend fragte sie, bemüht um einen gleichmäßigen Ton: "Also, nach Kolumbien wurde in beiden Jahren geliefert?"
"Ja, genau, Senor Goméz dort bewundert die Arbeit unserer Firma sehr und ist ein leidenschaftlicher Sammler. Übermorgen geht schon wieder das nächste Modell zu ihm auf die Reise."
"Wunderbar." Mehr brachte Lisa jetzt beim besten Willen nicht heraus, und ganz auf ihr Glück und Patricia's Unvermögen, sie zu durchschauen, vertrauend, pokerte sie zuletzt noch einmal voll auf Risiko. "Ich danke dir. Du hast mich gerettet, denn ich hätte mich eigentlich schon viel früher darum kümmern müssen. Jetzt steht nur noch die "AWS" auf meiner Liste, aber ob ich das heute noch schaffe, bezweifele ich. Na ja, dann krieg' ich halt wieder einen Rüffel, und der Artikel erscheint erst in ein, zwei Tagen."
Sie hatte Patricia tatsächlich richtig eingeschätzt, die sie nun bedauerte, aber innerlich vor Schadenfreude lachte. "Das tut mir ja so leid. Vater hat zwar auch dort einen guten Freund und Golfpartner, Direktor Simpson, aber den kenne ich leider noch nicht persönlich, und deshalb kann ich dir dort nicht weiterhelfen."
"Macht nichts, Pat, du hast schon mehr als genug für mich getan. Nochmal vielen Dank! Schließlich war die Verspätung ja meine eigene Schuld. Bis bald!"
"Ja, bis dann mal, und denk' an unsere Verabredung zum Tennis!"
 Nach dem Gespräch fand Lisa, daß sie eigentlich reif für den Oscar wäre, lehnte sich kurz mit geschlossenen Augen und einem unglaublichen Triumphgefühl zurück und wählte dann die nächste Nummer.
Auch dieser Anruf verlief wunschgemäß, und eine Stunde später saß siedem kühl wirkenden, aber doch sehr freundlichen Inspektor Maine gegenüber.

In der folgenden Nacht fand Lisa keinen Schlaf. Tausend Gedanken quälten sie. Würde auch alles nach Plan klappen?
Dann war das die eine große Chance, von der jeder Reporter träumte. Aber Daniel hatte sie ursprünglich auf das Thema gebracht und die Vorarbeit geleistet und es damit nicht verdient, jetzt ausgeschlossen zu werden. Wie würde Mr. Carlson an ihrer Stelle handeln?
Erst auf dem Weg zur Redaktion am folgenden Morgen stand ihr Entschluß fest, und Daniel's Umarmung mit dem begeisterten Ausruf: "Ich wußte doch, daß du ein Glückskind bist, Generalstöchterchen", und Mr. Carlson's überschwengliches Lob zeigten ihr deutlich, daß sie die richtige Entscheidung getroffen hatte.
Zwei Tage später verhaftete Inspektor Maine Vincent Grant und Direktor Simpson von der "AWS". Bei der Sonderüberprüfung der Oldtimer für die Firma Goméz in Kolumbien hatte sich nämlich herausgestellt, daß der Wagen selbst zwar nicht funktionstüchtig war, daß die hochmodernen Schnellfeuergewehre, die sich aus den Einzelteilen unter der Motorhaube zusammensetzen ließen, aber dafür perfekt funktionierten.

Den Sensationsartikel, der dem "Evening Star" die höchsten Verkaufszahlen seit Monaten einbrachte, durfte Lisa mit ihrem Namen unterzeichnen, und bei der anschließenden Feier in der Redaktion hob Daniel sein Glas. "Willkommen im Club der Star-Reporter, liebe Lisa! Zwar haben dich diesmal der Zufall und dein Bekanntenkreis mehr als verwöhnt, aber ganz ohne das richtige Näschen hätte das allein niemals genügt. Ja, und ich gestehe fast neidlos, daß es unser Glück war, ausgerechnet das Generalstöchterchen zu bekommen."
An diesen Namen hatte sich Lisa inzwischen längst schon gewöhnt und ihn mittlerweile sogar akzeptiert, da längst keine Spur von Spott mehr darin verborgen lag.

 

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