Teil 3
Doch das Leben ging weiter, neue Orte und Aufgaben warteten auf
die Absolventen der Abschlußklassen, und als der General drei
Wochen darauf Lisa und Susan in Washington vom Flughafen abholte,
waren sie bereits wieder die fröhlich plappernden Mädchen
voller Pläne, die ihm so sehr imponierten. Vor ihnen lagen
ein paar unbeschwerte Tage, die sie mit dem Einrichten ihrer Zimmer
in der schönen alten Villa, langen Stadterkundungstouren am
Tag und aufregenden, lustigen Abenden in der Disco, im Kino oder
bei Konzerten am Abend verbrachten. Diese Zeit verging viel
zu schnell, und mit dem Herbst kam auch der Morgen, an dem beide
gleichzeitig ihre neuen Stellungen antraten. Dieser Beginn verlief
allerdings recht unterschiedlich, und dementsprechend trugen sie
der Freundin ihren Bericht vom ersten Tag auch jeweils sehr verschieden
vor. Susan wußte sich vor Begeisterung kaum zu beruhigen.
"Ich hatte ja keine Ahnung, wie aufregend das alles ist. Das
Gebäude, die hochmodernen Büros, die Menschen und die
ganze Atmosphäre - einfach Wahnsinn! Dabei hatte ich befürchtet,
alles ginge da ganz steif und trocken vor sich, und ein bißchen
mulmig war mir natürlich auch zumute unter all den großen
Tieren und Persönlichkeiten, aber James hat mich unendlich
lieb vorgestellt, und nach seiner maßlosen Übertreibung,
was meine Fähigkeiten angeht, waren alle unsagbar nett zu mir.
Es gibt da sogar viel mehr Frauen, als ich dachte, und unter den
Herren sind einige, von denen ich dir ganz bestimmt noch mehr erzählen
werde. Vielleicht ist das wirklich genau der Job, der zu mir paßt,
und ihr seid ja sowieso das ganz große Los für mich."
Dagegen fiel es Lisa sichtlich schwer, sich über Susan's
Begeisterung zu freuen. "So würde ich auch gern reden,
aber ich habe heute schon meinen ersten Dämpfer weg. Mag sein,
daß ich zu viel gleich zu Beginn erwarte, und ich seh' ja
auch ein, daß es nicht sofort mit der ganz großen Story
losgehen kann, doch zumindest schreiben möchte ich, ermitteln,
etwas auskundschaften oder jemanden interviewen, aber die haben
mich nach der Begrüßung gerade mal Kaffee kochen und
dann stundenlang am Computer die langweiligen Wettermeldungen auswerten
lassen. Dabei ging das alles ja noch. Die absolute Krönung
war nämlich dieser eingebildete Blödmann, Daniel Roberts,
der große Star-Reporter beim "Evening Star". Weißt
du, das ist so ein Typ, der sich mit fast vierzig noch einbildet,
der Traum aller Mädchen zu sein und dem die dummen Gänse
in der Redaktion auch noch tatsächlich zu Füßen
liegen. Mann, ist der ekelhaft! Als ich über den Wetterberichten
saß, klopft der mir doch auf die Schulter und sagt: "Na,
Generalstöchterchen, nur immer Kopf hoch! So hab' ich auch
mal angefangen. Eine größere Unverschämtheit ist
mir ja noch nie untergekommen." Dabei hatte Lisa sich regelrecht
in Wut geredet, aber nun nahm ihr Gesicht wieder ihren typischen
entschlossenen und fast schon trotzigen Ausdruck an. "Und doch
schaffe ich es! Und wenn ich monatelang nur ans Wetter darf! Denen
allen, der Welt und vor allem diesem arroganten Daniel Roberts zeige
ich schon noch, was in mir steckt!"
Am Eindruck vom ersten Tag änderte sich für die beiden
Freundinnen auch in den nächsten Monaten kaum etwas. Während
Susan jeden Morgen gutgelaunt aus dem Haus ging, am Abend, oft nach
langen Überstunden, genauso nach Hause kam, sich ausgefüllt
und bestätigt fühlte und vom General bei den seltenen
Dinners zu dritt stets in den höchsten Tönen gelobt wurde,
blieb Lisa beim "Evening Star" noch lange ganz unten und
ohne jede Chance, das in naher Zukunft irgendwie zu ändern.
Obwohl sie die monatelange Beschäftigung mit dem Wetter selbst
nicht so ernst gemeint hatte, bestanden ihre Aufgaben noch einige
Wochen lang ausschließlich darin, und danach erschien es ihr
schon als Erlösung, als sie zusätzlich unwichtige Polizeiberichte
auswerten und umschreiben durfte, und Daniel Roberts' spöttische
Blicke brachten sie manchmal sehr nahe an die Kündigung, vor
der sie dann jedesmal wieder absah, um sich nicht zu blamieren.
Auch an den langen durchtanzten Nächten fand sie seit einiger
Zeit nicht mehr die Freude wie früher in San Diego, und obwohl
es ihr leid tat zu sehen, wie Susan mehr und mehr einen eigenen
Freundeskreis um sich scharte und immer öfter ohne sie ausging,
fühlte sie sich doch allein mit einem Buch oder vor dem Fernseher
abends am wohlsten.
An einem kalten Februartag rief Mr. Carlson, der Chefredakteur
des "Evening Star" Lisa zu sich, und auf dem Weg zu dem
freundlichen alten Herrn, der überall bedingungslosen Respekt
genoß, schöpfte sie neue Hoffnung, die auch zunächst
nicht enttäuscht wurde. "Mein liebes Kind", begann
er, "ich wußte von Anfang an, daß Sie es ernst
meinen und bei der Stange bleiben. Trotzdem fängt bei uns nun
mal jeder Journalist ganz unten an, was übrigens auch noch
keinem geschadet hat. Jetzt kennen Sie sich also mit dem Wetter,
kleineren Einbrüchen und Verkehrsunfällen ganz gut aus,
denke ich." Er schmunzelte dabei, aber bei ihm empfand
Lisa keinen Spott, und zum ersten mal fühlte sie sich auf unerklärliche
Weise stolz auf diese fast sechs Monate, die sie eisern durchgehalten
hatte. "Nun finde ich", fuhr er fort, "ist es
an der Zeit, daß Sie sich neuen Aufgaben zuwenden, also dem,
was Sie sich wohl eigentlich unter Ihrer Arbeit hier vorgestellt
haben. Sie sollten also jetzt endlich nach Herzenslust ermitteln
dürfen. Daß Sie schreiben können, weiß
ich inzwischen. In der Hinsicht verspricht Ihr Stil einiges, aber
für die Recherchen draußen hat ein Neuling trotz allem
zuerst immer am besten einen Profi zur Seite. Ihnen will ich einen
besonders guten Lehrmeister empfehlen, weil ich von Ihnen noch eine
Menge mehr erwarte. Ich habe schon mit Daniel darüber gesprochen,
und er ist einverstanden und nimmt Sie ab heute mit. Viel Erfolg
also!" Mit diesen Worten reichte ihr Mr. Carlson die Hand,
und Lisa versuchte krampfhaft zu unterdrücken, daß ihr
schwarz vor Augen wurde, daß sie sofort kündigte oder
daß sie zumindest darum bat, einem anderen zugeteilt zu werden.
Nein, diese Blöße gab sich keine Lisa Hunter!
Mit dem Gefühl eines besiegten Torreros vor einer vollbesetzten
Zuschauertribüne ging sie also danach auf Daniel Roberts' Schreibtisch
zu. "Ich komme gerade von Mr. Carlson. Er meinte, Sie wüßten
Bescheid", sagte sie völlig gegen ihren Willen. Gespielt
überrascht blickte der Star-Reporter zu ihr auf, und in seinen
dunkelbraunen Augen erschien wieder das Lächeln, das sie oft
bis zur Weißglut trieb. "Ja, ja, Miss Hunter, so ist
es, und ich habe mich übrigens auch noch freiwillig dazu gemeldet."
Er stand auf, gab ihr mit ironischer Feierlichkeit die Hand und
fuhr fort: "Fangen wir also am besten damit an, daß wir
uns in Zukunft beim Vornamen nennen und das Kriegsbeil begraben!
Ich weiß ja, daß ich dich manchmal ein wenig geärgert
habe, aber mir erging es in deinem Alter ähnlich, und das hat
mich angespornt und am Ende ganz hübsch weit gebracht.
Bei dir gibt es ein verborgenes Talent, das wir zusammen ans Tageslicht
befördern werden, und eine gehörige Portion Verbissenheit,
ohne die es kein Reporter zu etwas bringen kann. Also, los!"
Plötzlich fühlte sich Lisa wie ein dummes, trotziges Schulkind
vor dem Lehrer, und sie atmete erleichtert auf, als ihr Daniel gleich
im Anschluß daran zeigte, wie er sich den Schreibtisch gegenüber
seinem für sie vorstellte, was sie glücklicherweise einer
Antwort enthob. Kurz darauf ging es dann auch schon los, und die
neidischen Blicke der meisten Sekretärinnen taten ihr nun fast
schon gut.
Die ersten gemeinsamen Recherchen führten das neu entstandene
Zweier-Team in die Drogenszene der City, zu einem Trainingszentrum
für junge Sportler, das in Wahrheit gefährlichen politischen
Zielen diente, und zu einem Rüstungskonzern, dem illegale Waffengeschäfte
mit der Drogenmafia Kolumbiens nachgesagt wurden. Tagelang
und oft auch noch spät abends oder gar nachts waren die beiden
unterwegs, was Lisa absolut keine Zeit mehr für andere Interessen
ließ, und obwohl es sie meist noch verärgerte, daß
Daniel fast immer die Gespräche allein führte und sie
dabei nur zuschauen, mithören und mitschreiben durfte, spürte
sie doch deutlich, daß sie sich ihrem Ziel Schritt für
Schritt näherte. Endlich kam die Wirklichkeit ihres Jobs
in greifbare Nähe ihrer Träume, und sie begann, auf ihre
Chance zu lauern und sich voll und ganz auf die Suche danach zu
konzentrieren.
Eines Tages ergab sich dann ganz plötzlich eine Gelegenheit,
und Lisa war fest entschlossen, sich damit endlich ihre Träume
zu erfüllen. Die langwierigen Ermittlungen bei dem Rüstungskonzern
"AWS" dauerten weiter an, obwohl es bisher keinerlei Beweise
gab. Wie oft auch Lisa und Daniel schon die Sekretärinnen und
kleineren Angestellten der Firma ausgefragt hatten, nichts führte
zu einem greifbaren Ergebnis, und die modernen Schnellfeuergewehre,
die die Drogenbosse Bogotás angeblich von der "AWS"
erhalten haben sollten, blieben eine unbewiesene Behauptung, da
sie weder in den Produktionslisten noch in den Exportpapieren aufgeführt
waren. Kontakte zwischen "AWS" und Kolumbien existierten
scheinbar überhaupt nicht. Nun versuchte Daniel gerade,
zum mindestens zehnten Mal innerhalb eines Jahres, in dem kleinen
Park vor dem Bürohochhaus der Firma neue Informationen aus
der Sekretärin des Exportleiters herauszuholen, was zwar nie
zu etwas führte, der dicklichen Enddreißigerin aber offensichtlich
sehr angenehm war. Sie wußte gar nichts, wohl nicht einmal
genau, wo Kolumbien überhaupt lag, deutete aber stets irgendetwas
an, um die Aufmerksamkeit des eleganten Herrn von der Zeitung nicht
zu verlieren und ihn recht bald wiederzusehen, aber Daniel gab nie
auf, obwohl er sie durchschaute, weil er trotz allem noch weiter
auf einen Zufallstreffer hoffte. So bot er auch diesmal wieder
all seinen Charme auf, und Lisa hielt sich abseits, schaute auf
den kleinen Springbrunnen und wäre am liebsten davongelaufen.
Da plötzlich bemerkte sie Vincent Grant, einen Schulkameraden
ihres Vaters, den sie seit den seltenen Treffen im Hause des Generals
haßte. Seine aufdringliche Art und seine Arroganz waren ihr
stets so abstoßend erschienen, daß sie jetzt instinktiv
hinter die nahen Büsche zurückwich, um nicht etwa eine
Begrüßung und lästige Fragen ertragen zu müssen.
Aber dann sah sie ihn zielstrebig auf den Eingang von "AWS"
zueilen, und eine völlig neue Idee durchzuckte sie wie ein
Blitz. Womit hatte er sich noch immer so wichtig gemacht? Genau,
mit Oldtimern, die er als schrottreife Blechhaufen billig aufkaufte,
aufmöbeln ließ und dann für Unsummen an reiche Sammler
wieder verkaufte, und seine Hauptabnehmer sollten nach seinen eigenen
Worten die eingebildeten südamerikanischen Generäle und
Neureichen sein. Worin bestand also seine Verbindung zur "AWS"?
Wenn nun...? Fieberhaft schossen Lisa die Gedanken durch den
Kopf, aber sie gab nicht dem ersten Drang nach, es Daniel gleich
zu erzählen, denn die eine ganz große Chance verschenkt
nun mal kein Profi-Reporter. Es gelang ihr trotzdem kaum, der
Unterhaltung mit Daniel auf der Fahrt zurück zur Redaktion
zu folgen, und zum ersten Mal bat sie ihn, früher als sonst
gehen zu dürfen. Daniel verkannte ihre Absicht völlig
und wünschte ihr lächelnd: "Recht viel Spaß",
wonach sie sich zusammenreißen mußte, um nicht noch
vor seinen Augen einfach loszurennen. Draußen stürzte
sie aber sofort in die nächste Telefonzelle und suchte mit
fliegenden Fingern die Nummer der Grants, weil sie dringend mit
Patricia, Vincent Grant's ebenso eingebildeter wie unsympathischer
Tochter, reden mußte. Sie betete beim Wählen, Pat
möge noch immer für ihren Vater arbeiten, und als sie
sie endlich erreichte und erfuhr, daß es tatsächlich
so war, atmete sie erleichtert auf und bemühte sich verzweifelt,
ihrer Stimme trotz der enormen Erregung einen ganz ruhigen Klang
zu geben. "Hör' zu, Pat, du erinnerst dich doch sicher
noch an mich?" "Wie? - Ja, natürlich müssen
wir mal zusammen Tennis spielen. Das verabreden wir später,
aber jetzt rufe ich dich als Reporterin an. Wir wollen einen Bericht
über erfolgreiche Geschäftsleute bringen, die mit großartigen
Ideen ihre Firmen praktisch aus dem Nichts aufgebaut haben. Da dachte
ich sofort an deinen Vater und seine Oldtimer." Nach der
anfänglichen Begeisterung über Lisa's unerwarteten Anruf,
weil sie sie eben immer noch zu gern in den Kreis ihrer sie bewundernden
Freundinnen eingereiht hätte, zögerte Pat nun doch. "Aber
das kann ich nicht so einfach tun. Ich meine, Fragen über die
Firma darf ich nicht so ohne Rücksprache mit meinem Vater beantworten.
Das verstehst du doch sicher, und es hat doch wohl Zeit, bis er
von seiner Besprechung zurückkommt. Ja?" In Lisa stieg
Panik auf. Eine Besprechung? Etwa bei "AWS"? Das war es!
Sie murmelte innerlich Stoßgebete beim Weitersprechen. "Klar
verstehe ich das, aber ich frage dich doch nicht nach irgendwelchen
Geheimnissen, nur, wohin Ihr in den letzten zwei Jahren Eure Oldtimer
geliefert habt. Das ist doch ganz offiziell, und du kennst dich
als Vincent Grant's rechte Hand ja bestens aus. Weißt du,
ich brauche das noch heute für die morgige Ausgabe und bin
schon reichlich spät dran. das wäre doch die beste Werbung
für Euch und wird deinen Vater ganz sicher nur freuen."
Die Zeit, die Patricia danach zum Überlegen brauchte, erschien
Lisa wie eine ganze Ewigkeit, aber bei der folgenden Antwort verschluckte
sie nur mit äußerster Anstrengung den Jubelschrei in
ihrer Kehle. "O.k., daran ist ja echt nichts Geheimes.
Also, warte mal, da hatten wir 1987 Argentinien, Chile, England,
Kolumbien, Frankreich und mehrere Inlandlieferungen und 1988 Griechenland,
Kolumbien, Peru, Spanien und Deutschland. Und jetzt noch einen Moment!
Ich gebe dir gleich die Typen und die Baujahre durch."
Mit zitternder Hand schrieb Lisa mit, und anschließend fragte
sie, bemüht um einen gleichmäßigen Ton: "Also,
nach Kolumbien wurde in beiden Jahren geliefert?" "Ja,
genau, Senor Goméz dort bewundert die Arbeit unserer Firma
sehr und ist ein leidenschaftlicher Sammler. Übermorgen geht
schon wieder das nächste Modell zu ihm auf die Reise."
"Wunderbar." Mehr brachte Lisa jetzt beim besten Willen
nicht heraus, und ganz auf ihr Glück und Patricia's Unvermögen,
sie zu durchschauen, vertrauend, pokerte sie zuletzt noch einmal
voll auf Risiko. "Ich danke dir. Du hast mich gerettet, denn
ich hätte mich eigentlich schon viel früher darum kümmern
müssen. Jetzt steht nur noch die "AWS" auf meiner
Liste, aber ob ich das heute noch schaffe, bezweifele ich. Na ja,
dann krieg' ich halt wieder einen Rüffel, und der Artikel erscheint
erst in ein, zwei Tagen." Sie hatte Patricia tatsächlich
richtig eingeschätzt, die sie nun bedauerte, aber innerlich
vor Schadenfreude lachte. "Das tut mir ja so leid. Vater hat
zwar auch dort einen guten Freund und Golfpartner, Direktor Simpson,
aber den kenne ich leider noch nicht persönlich, und deshalb
kann ich dir dort nicht weiterhelfen." "Macht nichts,
Pat, du hast schon mehr als genug für mich getan. Nochmal vielen
Dank! Schließlich war die Verspätung ja meine eigene
Schuld. Bis bald!" "Ja, bis dann mal, und denk' an
unsere Verabredung zum Tennis!" Nach dem Gespräch
fand Lisa, daß sie eigentlich reif für den Oscar wäre,
lehnte sich kurz mit geschlossenen Augen und einem unglaublichen
Triumphgefühl zurück und wählte dann die nächste
Nummer. Auch dieser Anruf verlief wunschgemäß, und
eine Stunde später saß siedem kühl wirkenden, aber
doch sehr freundlichen Inspektor Maine gegenüber.
In der folgenden Nacht fand Lisa keinen Schlaf. Tausend Gedanken
quälten sie. Würde auch alles nach Plan klappen? Dann
war das die eine große Chance, von der jeder Reporter träumte.
Aber Daniel hatte sie ursprünglich auf das Thema gebracht und
die Vorarbeit geleistet und es damit nicht verdient, jetzt ausgeschlossen
zu werden. Wie würde Mr. Carlson an ihrer Stelle handeln?
Erst auf dem Weg zur Redaktion am folgenden Morgen stand ihr Entschluß
fest, und Daniel's Umarmung mit dem begeisterten Ausruf: "Ich
wußte doch, daß du ein Glückskind bist, Generalstöchterchen",
und Mr. Carlson's überschwengliches Lob zeigten ihr deutlich,
daß sie die richtige Entscheidung getroffen hatte. Zwei
Tage später verhaftete Inspektor Maine Vincent Grant und Direktor
Simpson von der "AWS". Bei der Sonderüberprüfung
der Oldtimer für die Firma Goméz in Kolumbien hatte
sich nämlich herausgestellt, daß der Wagen selbst zwar
nicht funktionstüchtig war, daß die hochmodernen Schnellfeuergewehre,
die sich aus den Einzelteilen unter der Motorhaube zusammensetzen
ließen, aber dafür perfekt funktionierten.
Den Sensationsartikel, der dem "Evening Star" die höchsten
Verkaufszahlen seit Monaten einbrachte, durfte Lisa mit ihrem Namen
unterzeichnen, und bei der anschließenden Feier in der Redaktion
hob Daniel sein Glas. "Willkommen im Club der Star-Reporter,
liebe Lisa! Zwar haben dich diesmal der Zufall und dein Bekanntenkreis
mehr als verwöhnt, aber ganz ohne das richtige Näschen
hätte das allein niemals genügt. Ja, und ich gestehe fast
neidlos, daß es unser Glück war, ausgerechnet das Generalstöchterchen
zu bekommen." An diesen Namen hatte sich Lisa inzwischen
längst schon gewöhnt und ihn mittlerweile sogar akzeptiert,
da längst keine Spur von Spott mehr darin verborgen lag. |